Chronik, Rückblick an der 100-Jahrfeier 2009

100 Jahre IV Klingenberg
Einladung
Einladung

Foto 02_Einladung

Einladung

Zwecks Gründung eines Bienenzüchtervereins Kingenberg-Trennfurt-Röllfeld werden Sie zu der am Sonntag den 28. Februar 1909 nachmittags ½ 5 Uhr im Gasthause des Herrn Burkard Malad in Klingenberg stattfindenten Versammlung höflichst eingeladen.

Klingenberg, den 21. Februar 1909.

Eduard Dotzel, Rentamts-Assistent.“

Mit dem Wortlaut dieser Einladung, verehrte Gäste, begann die mittlerweile 100-jährige Erfolgsgeschichte des Imkervereins Kingenberg u. Umgebung.

11 Gründungsmitglieder aus Klingenberg, und 5 aus Röllfeld schlossen sich an diesem Tag zusammen und gründeten den „Lokal-Bienen-Züchter-Zweigverein Kingenberg“, aus dem der jetzige Imkerverein Klingenberg u. Umgebung hervorgeht.

Bitte gestatten Sie mir, die 16 Gründungsmitglieder vorzustellen, ohne deren Anstrengungen wir uns heute nicht hier versammelt hätten.

Die Gründungsmitglieder aus Klingenberg waren:

Expeditor Strauß
Bäcker Anton Frieß
Kaufmann Erlwein
Ignaz Nickles
Schreinermeister Leonhard Marstadt
Wagmeister Adam Schönig
Robert Heßler
Gerbermeister Johann Häfner
Bahnmeister Kunkel
Privatier Valentin Kuhn
Eduard Dotzel,

und aus Röllfeld stammten die Gründungsmitglieder
Bäcker Josef August Renz
Josef Alois Renz Christian Renz
Hugo Renz
Alfred Ludwig

In den ersten Vereinsvorstand wurden damals folgende Gründungsmitglieder gewählt:


Zum 1.Vorstand Expeditor Strauß
Zum 2. Vorstand Adam Schönig
Zum Kassier Ignaz Nickles
Als Schriftführer Eduard Dotzel, der den Verein später in vorbildlicher Weise
als 1. Vorstand weiterführen wird.
Zum Obmann für Röllfeld, Herr Josef Alois Renz

Im Laufe des Jahres 1909 kamen noch 3 Mitglieder hinzu, die im Gründungsdokument jedoch nicht als Gründungsmitglieder gekennzeichnet sind und von denen zumindest einer aus Trennfurt stammte.

 

Statistik
Statistik

Foto 03a_Statistik

Wie aus den statistischen Erhebungen über den Stand der Bienenzucht im Königreich Bayern hervorgeht, belief sich die Mitgliederzahl am Ende des Jahres 1909 auf 17 Mitglieder. Diese besaßen insgesamt 58 Bienenvölker. 2 Mitglieder hatten zu dieser Zeit noch keine eigenen Bienen. Interessant dürfte in diesem Zusammenhang der Honigertrag im ersten Jahr der Vereinsgründung sein, der 368 Pfund betrug. Im Durchschnitt waren das 6,3 Pfund (wohlgemerkt) pro Volk und Jahr. Zum Vergleich: Der heutige Durchschnittsertrag eines deutschen Bienenvolkes liegt bei ca. 25 Kilogramm, in guten Jahren sogar weit darüber. Im Verhältnis zur doch sehr geringen Honigernte war der imkerische Aufwand damals sehr groß und wurde sicherlich mit sehr viel Idealismus und Liebe zur Natur und den Bienen betrieben.

Preisliste
Preisliste

Foto 04_Preisliste

Das Gründungsdokument enthält neben dem Schriftwechsel zur Anmeldung des Vereins beim Unterfänkischen Kreisbienenverein in Aschaffenburg und dem Bittgesuch um Zuschuss beim Stadtmagistrat in Klingenberg eine historische Preisliste für Pavillons und Bienenhäuser, die bereits damals in Fertigbauweise angeboten wurden. Die Einträge im Gründungsbuch enden jedoch bereits im Jahr 1911 und lassen sich erst in einem neuen Protokollbuch vom Jahr 1926 weiterverfolgen. Wie Sie daraus ersehen, liegt leider keine vollständige Chronik des Vereins mehr vor. Vielmehr verlieren sich die Aufzeichnungen in den Jahren der beiden Weltkriege zwischen 1911 und 1925, sowie in den Jahren nach 1939 bis Mitte der 50er Jahre. Ich möchte aber dennoch versuchen, die Chronik des Vereins, soweit es die Lücken zulassen, anhand von Schwerpunkten darzustellen. Dabei werden auch einige Anekdoten aus dem Vereinsleben zur Sprache kommen.


Wie lange die Vorstandschaft der Gründertage den Verein weiterführten, ist aufgrund fehlender Dokumente nicht mehr nachzuvollziehen. Aus dem ersten Eintrag des Protokollbuches aus dem Jahr 1926 geht jedoch hervor, dass der aus den Gründertagen, als Schriftführer tätige Eduard Dotzel, den Verein fortan als 1. Vorsitzender führte. Der 2. Vorsitzende war Alfred Ludwig, Kassier Philipp Vill und Schriftführer Ignaz Berninger. Eduard Dotzel leitete den Verein mindestens 13 Jahre als 1. Vorsitzender. Im Kriegsjahr 1939 verliert sich leider die Spur, aufgrund fehlender Dokumente.

 

Königinnenbelegstelle
Königinnenbelegstelle

Foto 05_Königinnenbelegstelle

Dass der Verein unter seiner Führung zur frühen Blüte gelangte, ist jedoch in zahlreichen Protokollen und Zeitungsausschnitten belegt. Er war auch maßgeblich an Aufbau und Betrieb einer Königinnen-Belegstelle in Mechenhard, zwischen den Jahren 1927 und 1935 beteiligt, wie Sie auf dem Foto sehen können. Auf dem Foto sehen Sie links Herrn Eduard Dotzel, rechts Herrn Philipp Vill, der auch als Komponist und Lieddichter damals sehr bekannt war und einige Lieder über das Bienenleben komponiert hat. Die beiden jungen Damen auf dem Bild sind Philipp Vills Töchter (links: Ella Vill, rechts: Paula Vill). Achten Sie aber auch einmal auf die modisch flotten Sommerkleider der beiden zweibeinigen Bienchen!!

 

Einladung Waldfest
Einladung Waldfest

Foto 06_Einladung Waldfest

Wie wir noch sehen werden, kümmerte sich Verein jedoch nicht nur um seine 6-beinigen Bienchen. Auch gesellschaftlich stellte man zur damaligen Zeit allerhand auf die Beine. Als „Highlight“ würde man wohl heute das erste Wald- und Kinderfest im Frauenbaum Mechenhard bezeichnen. Dies fand am 08. Juli 1928 statt und wurde am gleichen Tag abends um 8 Uhr bei einen geschlossenen Ball im Gasthaus Rad in Mechenhard fortgeführt. Da das Fest sich großer Beliebtheit erfreute, wurde es in den folgenden Jahren wiederholt.

Eine besonders lebendige Schilderung dieses Festgeschehens stammt aus dem Jahr 1930, die den Festablauf und eine Beschreibung des Dorflebens widerspiegelt:


„Am Sonntag feierte der Bienenzuchtverein Klingenberg ein Wald- und Kinderfest. Der Verlauf war sehr schön. An der Spitze des Zuges die Kinder, die Knaben bunte Papiermützen auf dem Kopfe, die Mädchen Feldblumenkränze im Haar - lustig ihre selbst angefertigten Papierfähnchen schwenkend, so gings mit Musik durchs Dorf zum Festplatz, einem romantischen Wiesenplätzchen, mitten im Walde. Herr Obersteuersekretär Dotzel begrüßte die erschienenen Gäste und entbot ihnen einen herzlichen Willkommensgruß. Von verschiedenen jungen Mädchen wurden schöne Gedichtchen vorgetragen, reich an Inhalt aus dem Bienenleben. Dann ging es an die Verteilung der Honigbrote. Es war eine Freude zu sehen, mit welchem Appetit die Kleinen sie verzehrten; aber auch die Erwachsenen beteiligten sich recht zahlreich am Honigbrotessen.

Musik- und Gesangsvorträge verschönten das Fest. Sackhüpfen und Wurstschnappen sorgen für Humor und Unterhaltung und es gab wahre Lachsalven, als zum Schluss etliche ganz alte Herren sich am Sackhüpfen aktiv beteiligten. Dieses Fest wird vielen, besonders den Kindern in steter Erinnerung bleiben.“ Zu dieser eindrucksvollen Schilderung des Waldfestes kann man wohl nur sagen:


„Damals war die Welt noch in Ordnung“

Und dennoch war der Imkerverein Klingeberg bereits in seinen frühen Jahren sehr fortschrittlich. Es geht nämlich aus einem Protokoll des Jahr 1930 der Erwerb eines Dampfwachsschmelzers und einer Kunstwabengussform hervor. Man hatte schon früh erkannt, dass die Nutzung dieser Geräte eine große Arbeitserleichterung darstellte und schaffte sie daher, zur gemeinsamen Nutzung, an.

 

Weidekätzchen
schont die Weidekätzchen

Foto 08_Schont die Weidenkätzchen

Naturschutz war für die Imker schon immer eine wichtige Angelegenheit. Dass Haselnusssträucher und Weiden im Frühjahr überlebenswichtige Pollenspender für die Bienen, und aus diesem Grund besonders schützenswert sind, geht bereits aus einem Zeitungsbericht des Jahres 1930 hervor. In der Anordnung der Regierung von Unterfranken war das Sammeln von Hasenusssträuchern und Weiden zum Verkauf nur mit schriftlichem Ausweis und nur in den letzten 14 Tagen vor Palmsonntag gestattet. Zuwiderhandlungen unterlagen den gesetzlichen Strafen.

In diesem Zusammenhang enthält die Chronik des Jahres 1963 ebenfalls Hinweise darauf, dass Anstrengungen zur Vermehrung der Palmkätzchen unternommen wurden. Man hatte damals beschlossen, 800 geschnittene Weidenstecklinge zur Anpflanzung in Klingenberg, Trennfurt und Wörth, kostenlos abzugeben. Somit dürften die heute noch vorhandenen Weidenbestände dieser Ortschaften maßgeblich auf die damaligen Anpflanzungsbemühungen des Imkervereins Klingenberg zurückzuführen sein. Eine ähnliche Aktion zur Verbesserung der Bienenweide, durch Anpflanzung von 1000 Akazien, führte man bereits im Jahr 1930 in Röllfeld durch. Unser heutiger Akazienbestand dürfte demnach noch von den Anpflanzungen unserer damaligen Vereinsmitglieder abstammen.

Doch leider mussten die Imker bei ihren Bemühungen zum Naturschutz und zur Vermehrung der Bienenvölker immer wieder, herbe Rückschläge hinnehmen. In unregelmäßigen Abständen wird, quer durch die 100-jährige Vereinschronik, von Bienen- und Völkersterben berichtet. Da gab es wirtschaftlich schwierige Jahre, in denen Mangels Zucker keine ausreichende Winterfütterung stattfinden konnte. Die Ruhr, und später die Varroamilbe müssen außerdem als biologische Ursachen für ein teilweise verheerendes Massensterben bei den Bienenvölkern genannt werden, bei der teilweise mehr als 50 Prozent aller Völker verendeten.

Zusätzliche Gefahr drohte in den Anfangsjahren durch die Anwendung von Spritzmitteln im Obst- und Weinbau. Der Bereich um Klingenberg, mit seinen weithin bekannten Weinbergen war ebenso gefährdet, wie das größte Obstplantagengebiet Unterfrankens, im jetzigen Stadtteil Röllfeld.

 

Bienentod
Bienentod

Foto 09_Bienentod

Leider kam es in der Vereinsgeschichte immer wieder zu Schäden an den Bienenvölkern, die auf Spritzmittelanwendungen zurückzuführen waren. Dies veranlasste bereits 1931 den damaligen Vorsitzenden Eduard Dotzel, in einem Brief an das Bezirksamt Obernburg, mit Hinweis auf ein Landgerichtsurteil aus dem Jahr 1930, per Amtlicher Bekanntmachung, darauf hinzuweisen, dass das Spritzen der Obstbäume während der Baumblüte untersagt ist und bei Zuwiderhandlungen den geschädigten Bienenzüchtern ein Schadensersatzanspruch zustand. In der heutigen Zeit sind, aufgrund verbesserter Spritzmittel, glücklicherweise nur noch selten Schäden bei den Bienen zu beklagen.

Dafür gibt es in der Gegenwart andere Plagegeister, wie die Varroa-Milbe. Diese Milbe trat erstmals im Jahr 1979 im Raum Aschaffenburg/Miltenberg auf und musste auf Anordnung der Unterfränkischen Regierung in der Anfangsphase mit umstrittenen chemischen Mitteln behandelt werden. Viele Vereinsmitglieder lehnten jedoch vehement die  orgeschriebene chemische Varroabehandlung, aus Angst vor Rückständen im Honig, und damit wegen möglicher Gesundheitsgefährdung, ab.

Das führte dazu, dass man von Seiten der Unterfränkischen Regierung mit empfindlichen Geldbußen drohte. Unsere Imker ließen sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und wurden sogar zu einer gemütlichen Fahrt zum Bayerischen Innenministerium nach München eingeladen. So sehr gemütlich ging es jedoch dort dann leider nicht zu, denn bei der Gelegenheit wurden alle zu einer Geldbuße in Höhe von damals 80 Mark verdonnert! Obwohl man dem Einspruch der Imker in unserer Landeshauptstadt zunächst nicht statt gab, erkannte man Jahre später die Richtigkeit der Einwände und zog das Behandlungsmittel vom Markt zurück. Damals wie heute beweist uns dieses mutige und engagierte Handeln unserer Vereinskollegen ihren großen und unerschütterlichen Einsatz im Bemühen, unbelasteten und biologisch hochwertigen Honig zu produzieren. Einer von ihnen ist heute Abend bei uns und ich glaube, dass ihm, auch stellvertretend für die drei anderen engagierten Imkerkollegen, ein Dank gebührt! Helmut Ebert vielen Dank für Euren mutigen Einsatz. Die drei anderen München-Fahrer waren Robert Schoch und Paul Förtig und Josef Meidel, der Vater unseres Vereinsvorsitzenden Matthias Meidel.

 

Varroabehandlung Weigerung
Varroabehandlung Weigerung

Foto 10_Varroabehandlung-Weigerung

Zu diesem Thema gab es damals einen riesigen Medienrummel, Rundfunk und Fernsehen berichteten. Ich habe sogar ein Foto gefunden, das Helmut Ebert und Robert Schoch zusammen mit den Kreisvorsitzenden von Miltenberg und Aschaffenburg bei einem Interview mit einem Reporter vom Bayerischen Rundfunk am Lehrbienenstand zeigt.

Ebenso wie in dieser Geschichte beschrieben, hatte es sich der Imkerverein seit seinen Anfängen zur Aufgabe gemacht, gesunden Honig zu produzieren. Bereits 1930 erschien ein Zeitungsbericht mit der Überschrift „Esst mehr Honig“. Darin wird ein berühmter Arzt mit folgenden Worten zitiert: „Wenn die Menschen wüssten, welch heilsame Stoffe im Honig vereint sind, würde jeder täglich einen Esslöffel voll Honig nehmen. 80 Prozent aller Krankheiten kämen alsdann nicht zum Ausbruch. Für Blutarme, Herz- und Lungenleidende oder sonst gesundheitlich geschwächte Menschen und vor allem für Genesende, ist der echte Bienenhonig mit seinem hohen Gehalt an Nährsalzen und Vitaminen eine Quelle fast unerschöpflicher Heilkräfte. Honig fördert vor allem die Bildung gesunden Blutes.“

 

DIB Werbung
DIB Werbung

Foto 11_DIB-Werbung

Diese gesundheitlichen Werbebotschaften kann man auch auf Prospekten und Werbe-Postkarten des Deutschen Imkerbundes aus dem Jahr 1950 sehen.

Dass das Bienenvolk weitere gesunde Produkte, wie Blütenpollen, Gelee Royale oder Propolis produziert, war bereits früher, jedem bekannt. Dass jedoch ein, eher mit schmerzlichen Erinnerungen behaftetes Bienenprodukt, nämlich das Bienengift, gesund sein sollte, das musste jedoch erst einmal in der Praxis bewiesen werden.

Und wie das Leben so spielte, brauchte man gar nicht allzu lange auf den Beweis zu warten. Um die Wirksamkeit dieser These in der praktischen Anwendung zu testen, stellte sich nämlich die Frau eines langjährigen Kreisvorsitzenden (um es vorweg zu nehmen, die Frau von Matthias war es nicht!) kurzerhand zum Selbsttest zur Verfügung. Die schmerzleidende Dame, nennen wir sie hier Frau A., setzte sich nämlich, nachdem sie einen fürchterlichen Hexenschuss erlitten hatte, rücklings vor die Fluglöcher des Lehrbienenstandes in Mönchberg und lies sich mehrmals in ihre steißseitige Rückenverlängerung stechen, dorthin, wo der Schmerz am Schlimmsten war. Wie man hinterher hörte, war diese brennende Maßnahme ein voller Erfolg. Frau A. verriet den völlig verdutzten und verunsicherten Imkern hinterher, dass die Rückenschmerzen tatsächlich nach kürzester Zeit verschwunden waren. Und seit diesem denkwürdigen Tag gilt im ganzen Landkreis Miltenberg die Behauptung „Bienengift hilft Rheuma heilen“ als medizinisch bewiesen!

 

Vortrag
Vortrag

Foto 12_Vortrag (Oskar Webert – Alles oder nichts)

Vorträge zum Thema „Biene und Heilkunde“ waren übrigens eines von vielen fachlichen Weiterbildungsangeboten, die die Imker bei den regelmäßig stattfindenen Versammlungen auf dem Laufenden hielten. Diese Treffen entwickelten sich daher zum Forum für imkerfachliche Weiterbildungsthemen.


In den 60er Jahren informierten Tonbandvorträge bspw. über Arbeitserleichterungen und Behandlung der Bienenvölker, und die Lage der Bienenzucht in der damaligen Zeit. Mit fortschreitender Technik fanden, seit den 70er Jahren, auch imkerfachliche Dia- und Filmvorträge Einzug in das Vereinsleben. Spezialthemen, wie die Königinnenzucht, Behandlung und Pflege der Bienenvölker, Honigvermarktung und Qualitätssicherung, konnten den Imkerkollegen mithilfe dieser Medien anschaulich vermittelt werden. Auch in der heutigen Zeit gehören die Nutzung moderner Moderations- und Informationstechniken, wie Laptop und Beamer, zur Grundausstattung der Imkervereine.

Dass man es bei Vereinssitzungen nicht immer nur mit trockenen Themen zu tun hatte, beweist ein Eintrag im Protokollbuch des Jahres 1976, der von unserem langjährigen Vorsitzenden Robert Schoch stammt und von einer Weinprobe während der Frühjahrsversammlung im März 1976 berichtet. Ich zitiere: „Als Weinexperte wird uns im Verlauf des Abends der Leiter des städtischen Weingutes der Stadt Klingenberg, Herr Erich Schoch, Weine kredenzen und wir werden verspüren, ob nach unserem goldigen Honig, den uns die Bienen einbrachten, der rote Klingenberger Wein (eingefangener Sonnenschein) gut bekommen wird. Auf geht’s!!“. Zitatende.

Der Ablauf der Imkerversammlung mit Weinprobe, oder besser: - der Weinprobe mit Imkerversammlung? - wird folgendermaßen beschrieben:
1. Weinprobe
    Kurze aktuelle Bekanntgaben
2. Weinprobe
    Herr Bathemes hält einen Vortag über Neues in der Imkerei
3. Weinprobe
    Herr Eisert zeigt Lichtbilder über die Carnicabiene
4. Weinprobe
    Fortsetzung des Lichtbildervortrags
5. Weinprobe
    Anträge und Diskussionen
6. Weinprobe
    geselliges Beisammensein

Ich glaube, jeder hier im Saal kann sich lebhaft vorstellen, wie man nach 6 Weinproben „beisammen“ war.

Die Verbundenheit zwischen den Klingenberger Spezialitäten Honig und Wein und die Verbundenheit zwischen dem Klingenberger Imkerverein und dessen städtischen Weingut kann wohl kaum schmackhafter dargestellt werden. Wenn man den goldenen Honig und den goldenen Wein einmal vergleicht, so wird man ganz bestimmt feststellen: „Honig und Wein schmecken fein“. Das hatte man offensichtlich längst erkannt.

Im Laufe der letzten 100 Jahre wurden sehr viele Vereinskameraden geehrt. Einerseits bedachte man sie, aufgrund ihrer außergewöhnlichen Verdienste für Verein und Bienenzucht, andererseits auch wegen ihrer teils seit Jahrzehnten andauernden, treuen Mitgliedschaft, mit sehr vielen Ehrenzeichen. Es würde zu weit führen, heute Abend hier zu alle nennen. Ich möchte es aber nicht versäumen, Euch allen, auch denjenigen, die ihre erste Ehrung noch vor sich haben, für all das zu danken, was Ihr für den Verein getan habt, und das den Imkerverein Klingenberg zu dem gemacht hat, was er heute ist. Vielen Dank dafür.

 

Ehrung
Ehrung

Foto 14_Ehrung von 1976 (schwarzes Buch)

Stellvertretend für alle Mitglieder, die im Laufe der Jahre eine Ehrung erfahren haben, möchte ich das älteste Ehrungs-Foto zeigen, das der Verein besitzt. Es stammt aus dem Jahr 1976 und zeigt folgende Mitglieder:

Stehend von links:
Franz Mechler, Helmut Ebert, Horst Baldringer, Josef Meidel, Paul Becker, Adolf Matzner

Sitzend von links:
August Hartlaub, Otto Schork, Amandus Müller, Peter Wenzel und Weimar Trockenbrodt

Neben der Mitwirkung der vielen treuen Mitglieder ist jedoch auch die Vereinsführung ein wichtiges Fundament eines jeden Vereines. Wenn es die Vorstandschaft über die vergangenen 100 Jahre nicht geschafft hätte, den Imkerverein Klingenberg zusammenzuhalten und weiterzuentwickeln, wären wir wohl heute nicht in der Lage hier unser Jubiläum zu feiern. Ich möchte daher nicht versäumen, die Vorsitzenden und Vorstände namentlich zu erwähnen, die unseren Verein durch das erste Jahrhundert seines Bestehens geführt haben. Ich bitte um Verständnis, wenn ich hier nur die Vorstandsmitglieder nennen kann, die in einem Jahr tätig waren, in dem sich ein Vorstandswechsel vollzog. Die angegebenen Zeiträume beziehen sich ebenfalls auf die Amtszeit des jeweils 1. Vorsitzenden.

Dies waren im Gründungsjahr 1909
1.Vorstand Expeditor Strauß
2. Vorstand Adam Schönig
Kassier Ignaz Nickles
Schriftführer Eduard Dotzel
Die Dauer dieser Vorstandschaft ist leider nicht überliefert, die Unterlagen von 1911 bis 1925 sind verloren gegangen.

Von 1926 bis 1939


1.Vorstand Eduard Dotzel
2. Vorstand Alfred Ludwig
Kassier Philipp Vill
Schriftführer Ignaz Berninger

Von 1939 – 1955 liegen keine Unterlagen mehr vor.

Im Jahr 1956 schlossen sich die Mitglieder des Imkervereins Erlenbach, dem Klingenberger Imkerverein an.

Ab ca. 1956?-1962 führte
Christian Fertig
als 1. Vorstand, Kassier und Schriftführer den Verein

1962 – 1984
1.Vorstand Robert Schoch
(ist inzwischen 95 Jahre alt, Ehrenvorsitzender, 22 Jahre lang 1. Vorstand)
2. Vorstand Josef Klein
Helmut Ebert als Kassier und Schriftführer
(auch er war 22 Jahr lang in der Vorstandschaft tätig)
In diesen Zeitraum fällt auch die Angliederung des Imkervereins Obernburg an den Imkerverein Klingenberg, die 1977 statt fand.

1984 – 1997
1.Vorstand Paul Förtig
2. Vorstand Werner Müller
Kassier Robert Weiser
Schriftführer Amandus Müller

1997 bis heute
1.Vorstand Matthias Meidel
(der gleichzeitig Kreisvorsitzender des Kreisverbandes Miltenberg ist)
2. Vorstand Reinhard Markert und. Joachim Hanel
Kassier Kornel Ludwig
Schriftführer Herbert Abb (der gleichzeitig Kassier des Kreisverbandes Miltenberg ist)

Interessant sind, bei diesem Schritt durch die Zeit, sicher auch die Mitgliederund Völkerentwicklung. 1909 besaßen 17 Imker ganze 58 Bienenvölker. Diese Zahlen steigerten sich bis in die 80er Jahre kontinuierlich auf 46 Mitglieder mit 481 Völkern. Bei diesen Zahlen fällt auf, dass ein Schnitt von ca. 10 Bienenvölkern pro Imker über Jahrzehnte hin nahezu konstant blieb. Heute besitzt der Verein 33 Mitglieder und betreut noch 146 Völker, was einem Schnitt von 4,4 Völkern pro Imker entspricht.

Ein Grund für den Rückgang der Völkerzahlen ist sicherlich in der Altersstruktur unserer Mitglieder zu suchen, die mit fortschreitendem Alter die teils schwere Arbeit an den Bienen nicht mehr verrichten können. Der Altersdurchschnitt liegt momentan bei 62,5 Jahren. Das älteste Mitglied ist 95 Jahre, das jüngste 17 Jahre alt.

Bevor ich langsam zu Schluss unserer Vereins-Chronik komme, möchte ich es nicht versäumen, kurz noch über die geselligen Seiten unseres Vereins zu berichten. Bereits in den 30er Jahren wird von Ausflügen berichtet, die die Mitglieder des Vereins zusammen unternommen haben. In den 60er bis 80er Jahren fuhr man mit dem Omnibus nach Münsterschwarzach, zum Vogelsberg zu Pfarrer Herold, sowie in regelmäßigen Abständen, zu den Lehranstalten nach
Oberursel, Erlangen und Hohenheim. Besuche der unterfänkischen und bayerischen Imkertage standen ebenfalls auf dem Ausflugsprogramm.

Zu den öffentlichen Veranstaltungen des Vereins hatte ich Eingangs bereits das Wald- und Kinderfest im Mechenhard und Röllfeld der 30er Jahre erwähnt. In den 70er Jahren hielt der Imkerverein Klingenberg auch ein Sommernachtsfest am Lehrbienenstand Mönchberg ab. Dazu ein kurzes Zitat aus dem Protokollbuch: „Nach der Kinderbelustigung (Eierlaufen, Wurstschnappen, Topfschlagen, Sackhüpfen) gab es Fassbier und Spezialitäten vom Holzofengrill. In Anwesenheit der Presse wurde sogar eine Imkerkönigin und deren Drohn (männliche Biene) gewählt. Die Wahl der Imkerkönigin fiel in geheimer Abstimmung der anwesenden Männer auf Frau Scheithauer, die des Drohns in geheimer Abstimmung der Frauen auf Vorstand Robert Schoch. - Aufbruch in der späten Nacht“. - Und ich hatte immer gedacht, Königin und Drohn wären nur tagaktive Tiere.

Der Lehrbienenstand in Mönchberg ist auch heute noch Veranstaltungsort für das jährliche Schleuderfest und war, im Laufe der Jahre, mehrmals vom Imkerverein Klingenberg organisiert und durchgeführt worden.

 

Festzug 2009
Festzug 2009

Foto 16_Foto vom Festzug 2009

Im Sommer 2009 nahm eine Abordnung unseres Vereins in historischen Zeidler-Kostümen am Festzug des Weinbauverein Klingenberg, anlässlich seines 100-jährigen Bestehens teil und nutzte diese Veranstaltung, um sich auch einmal nach außen hin zu präsentieren.

 

 

Festzug 2009
Festzug 2009

Foto 17_Foto vom Festzug 2009

Zur Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zählen natürlich auch die Honig-Verkaufs und-Werbestände an den Klingenberger Ostermärkten, am Palmsonntag, die uns positive Resonanz in der Bevölkerung zuteil werden lassen und die unser Vorstand Matthias Meidel angeregt hatte.

Zum Abschluss meiner Chronik bitte ich um Nachsicht, wenn ich das eine oder andere Ereignis in den vielen Hundert Seiten der Protokollbücher und Zuckerlisten, übersehen haben sollte, bzw. aus Zeitgründen nicht erwähnen konnte.

Eine letzte Bitte, aus den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, würde ich Euch noch gerne noch mit auf den Weg geben:
„Schützt und vermehrt die Palmkätzchen.“
Die Vermehrung ist ganz einfach, wie aus einer Anleitung des Jahres 1966 hervorgeht:

• Stecklinge von Palmkätzchen mit ca. 5 Augen,
• 3 Augen im Sand im Keller einschlagen,
• nach 3 bis 4 Wochen auspflanzen in Pflanzlöcher,
• anschwemmen,
• 2 Augen über der Erde lassen

Alles verstanden? – bestens!

Und wenn Ihr dann, liebe Vereinsfreunde, bei einem Spaziergang durch die Natur, einer fleißigen und fröhlich umher fliegenden Biene begegnet, dann grüßt sie bitte recht schön vom Imkerverein Klingenberg u. Umgebung.

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

Chronik 100jähr. Vereinsjubiläum Imkerverein Klingenberg 2009, Kornel Ludwig